Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ im Kreistag Vorpommern-Rügen sieht die Entwicklung rund um das LNG-Terminal im Hafen Sassnitz-Mukran mit zunehmender Sorge. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger berichten über anhaltende Lärmbelastungen, die inzwischen nicht nur im direkten Umfeld des Terminals, sondern auch in größerer Entfernung wahrgenommen werden.
Nach übereinstimmenden Schilderungen handelt es sich häufig um monotone, tieffrequente Geräusche, die insbesondere nachts als stark belastend empfunden werden. Gerade tieffrequenter industrieller Schall ist dafür bekannt, sich über große Entfernungen auszubreiten und selbst mehrere Kilometer entfernt noch wahrnehmbar zu sein.
Besonders kritisch bewertet die Fraktion, dass trotz der zunehmenden Beschwerden weiterhin keine überzeugende und transparente Strategie zur dauerhaften Messung der tatsächlichen Lärmemissionen erkennbar ist.
Das Kreistagsmitglied Dr. Carmen Kannengiesser sieht darin ein zentrales Problem:
„Wenn Bürger über Monate hinweg immer wieder die gleichen Belastungen schildern, dann darf das nicht im Unklaren bleiben. Ohne unabhängige und dauerhaft installierte Messstationen fehlt schlicht die objektive Grundlage, um die Situation seriös zu bewerten.“
Nach Einschätzung vieler Betroffener fehlen bis heute genau solche unabhängigen Messstationen in den Wohngebieten. Auch regelmäßige und öffentlich nachvollziehbare Vor-Ort-Kontrollen der zuständigen Behörden sind bislang kaum erkennbar.
Dr. Carmen Kannengiesser kritisiert deshalb den bisherigen Umgang mit den Beschwerden deutlich:
„Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass Hinweise aus der Bevölkerung nicht ernst genug genommen werden. Beschwerden werden relativiert oder auf andere mögliche Quellen verschoben. Genau das untergräbt das Vertrauen der Menschen in staatliche Entscheidungen.“
Auch aus fachlicher Sicht sei die Situation problematisch, so Dr. Carmen Kannengiesser weiter:
„Gerade tieffrequente Geräusche werden in klassischen Lärmmessungen häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei ist bekannt, dass diese Art von Schall besonders weit getragen wird und von Betroffenen als besonders belastend wahrgenommen wird. Deshalb brauchen wir endlich eine unabhängige und transparente Datengrundlage.“
Der Fraktionsvorsitzende Gerd Scharmberg sieht inzwischen auch ein politisches Glaubwürdigkeitsproblem entstehen:
„Wenn sich Beschwerden aus immer mehr Orten häufen und gleichzeitig klare Antworten fehlen, dann beschädigt das das Vertrauen der Bevölkerung in Politik und Behörden. Die Menschen haben ein Recht darauf zu wissen, welche Belastungen tatsächlich entstehen.“
Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Löttge fordert ein entschlossenes Handeln der Landesregierung:
„Wer ein Projekt dieser Größenordnung politisch ermöglicht hat, trägt auch die Verantwortung für die Folgen. Die Landesregierung muss jetzt endlich dafür sorgen, dass Belastungen für die Bevölkerung transparent erfasst und konsequent kontrolliert werden.“
Hinzu kommt eine grundsätzliche energiepolitische Diskussion. Verschiedene Analysen zeigen, dass einige der neu geschaffenen LNG-Kapazitäten in Deutschland deutlich geringer ausgelastet sind als ursprünglich angenommen. Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, ob die Belastungen für Bevölkerung und Region in diesem Umfang überhaupt gerechtfertigt sind.
Für eine Region wie Vorpommern-Rügen, deren wirtschaftliche Stärke maßgeblich auf Natur, Tourismus und Lebensqualität basiert, ist diese Entwicklung besonders sensibel.
Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ fordert daher:
- die sofortige Einrichtung unabhängiger und dauerhaft betriebener Lärmmessstationen im Umfeld der betroffenen Wohngebiete
- vollständige Transparenz über sämtliche Messdaten und Betriebszustände des Terminals
- regelmäßige und öffentlich dokumentierte Kontrollen durch die zuständigen Behörden
- eine ehrliche energiepolitische Bewertung der tatsächlichen Notwendigkeit des Standortes Mukran
Dr. Carmen Kannengiesser macht abschließend deutlich:
„Transparenz ist die Voraussetzung für Vertrauen. Solange es keine unabhängigen und nachvollziehbaren Messdaten gibt, wird die Unsicherheit in der Bevölkerung weiter wachsen. Genau das muss jetzt dringend beendet werden.“
Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ kündigt an, das Thema weiterhin intensiv politisch zu begleiten und auf umfassende Aufklärung zu drängen.
Fraktion BfS/FDP/VR+
Kreistag Vorpommern-Rügen
